An der Gartenpforte glitzert Raureif, im Gartenhaus liegt ein aufgeschlagenes Notizbuch. Günni hat schon große Pläne – Frida stellt erst einmal den Kaffee dazu. Gemeinsam schauen sie nach dem winterlichen Garten, sortieren Saatgut und überlegen, was im neuen Gartenjahr wachsen darf. Denn auch ein leiser Januar steckt voller Möglichkeiten.

Raureif auf Samenständen und kahlen Zweigen in einem Januargarten mit Gartenhaus im warmen Morgenlicht
Günnis Gartenkalender

Januar im Garten

Draußen ruht der Garten, drinnen wachsen neue Ideen. Günni und Frida starten mit kleinen Kontrollgängen, winterlichen Vogelgästen und Vorfreude auf die nächste Gartensaison.

Januar
Spaten, Grabegabel und Handwerkzeuge im aufgeräumten Geräteschuppen; durch die offene Tür ist der frostige Garten zu sehen

Diesen Monat im Garten

Kleine Handgriffe, große Vorfreude

Günni steht vor dem Geräteschuppen und zieht einen zusammengefalteten Zettel aus der Jackentasche.

„Meine erste Gartenliste!“

Frida schaut darauf. „Für heute oder fürs ganze Jahr?“

Günni faltet noch ein Stück auf. „Das ist noch nicht ganz entschieden.“

Im Januar darf die Liste überschaubar bleiben. Ein kurzer Rundgang zeigt, ob der vorhandene Winterschutz noch sitzt und die Pflanzgefäße sicher stehen. Bei winterharten Pflanzen im Kübel verdienen die Wurzeln besonderen Schutz: Im Gefäß sind sie der Kälte stärker ausgesetzt als im Gartenboden. Der Wasserabzug muss frei bleiben; eine Verpackung darf die weitere Pflege nicht verhindern.

Danach ist Zeit für die Planung:

  • Welche Gemüsearten haben sich bewährt?
  • Was möchten wir dieses Jahr ausprobieren?
  • Welche Saatguttütchen sind noch vorhanden?
  • Wo könnten zusätzliche Blüten Nahrung für Insekten bieten?
  • Welche Gartenidee passt tatsächlich zu unserem Platz und unserer Zeit?

Erst die Bestände prüfen, dann gezielt ergänzen – so beginnt das Gartenjahr mit Überblick.

Fridas Hinweis: Ein guter Januarplan lässt Platz für Änderungen. Schließlich bekommt das Wetter später auch noch ein Mitspracherecht.

Aussaat & Ernte

Geduld gehört mit ins Saatgutkästchen

Kräftige Grünkohlpflanzen mit Schnee auf ihren gekräuselten grünen Blättern im winterlichen Beet

Günni hält ein Tomatentütchen gegen das Fenster.

„Wenn ich heute anfange, bin ich doch bestimmt besonders früh dran.“

„Vielleicht“, sagt Frida. „Aber deine Tomaten müssen bis zum Auspflanzen auch gut wachsen können.“

Für die gewöhnliche Anzucht an der Fensterbank haben Tomaten im Januar noch Zeit. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt dafür Mitte bis Ende März. Sehr frühe Aussaaten können bei ungünstigen Lichtbedingungen lange, dünne Pflanzen hervorbringen. Paprika und Chili brauchen mehr Vorlauf; ihre Anzucht lässt sich für Februar vorbereiten. Sortenhinweise und die eigenen Anzuchtbedingungen bleiben entscheidend.

Was jetzt noch im Erntekorb landen kann

Wer rechtzeitig passende Winterkulturen angebaut hat, kann je nach Sorte, Standort und Witterung noch Grünkohl, Winterporree, Feldsalat oder Winterpostelein ernten. Ein Januar-Beet an einem geschützten Standort bietet andere Möglichkeiten als eines in rauer Höhenlage. Bei stärkerem Frost kann geeigneter Vliesschutz hilfreich sein.

Fridas Aussaatgedanke: Wir planen nach Pflanzenbedarf und verfügbarem Licht. Die Vorfreude darf trotzdem schon heute anfangen.

Natur im Garten

Eine kleine Snackbar für Wintergäste

Eine Blaumeise sitzt an einem wettergeschützten Futtersilo mit Sonnenblumenkernen im verschneiten Garten

Am Futterspender landet eine Meise. Günni bleibt mitten im Satz stehen.

„Unser erster Gast.“

Frida lächelt. „Dann schauen wir, ob wir ordentlich gedeckt haben.“

Eine gut gepflegte Winterfutterstelle ermöglicht schöne Beobachtungen. Geeignet sind Futterspender, in denen die Vögel nicht im Futter herumlaufen können und die Nahrung vor Nässe geschützt bleibt.

Für unsere winterlichen Gäste:

  • Sonnenblumenkerne eignen sich für viele Körnerfresser.
  • Für Arten wie Amsel und Rotkehlchen kommt geeignetes Weichfutter infrage.
  • Brot und salzige Speisereste gehören nicht an die Futterstelle.
  • Meisenknödel werden ohne Plastiknetz angeboten.
  • Herkömmliche Futterhäuschen werden regelmäßig mit heißem Wasser gereinigt; täglich wird nur wenig Futter nachgelegt.

Der Standort soll übersichtlich sein, damit sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können. Natürliche Nahrung und Lebensräume im Garten bleiben ebenso wichtig.

Günnis Beobachtungstipp: Erst den Becher abstellen, dann ganz ruhig schauen. Manche Gäste kommen genau dann, wenn man endlich aufhört, ihnen etwas erzählen zu wollen.

Wetterblick im Januar

Der Garten gibt das Tempo vor

Heute knirscht es unter Günnis Stiefeln. Morgen könnte Regen gegen die Scheibe trommeln.

„Ich hätte gern einen Winter mit Sonnenschein“, sagt er.

„Dann nehmen wir die sonnigen Stunden mit“, antwortet Frida.

Für unsere Gartenpläne rechnen wir mit unterschiedlichen Bedingungen: Frost, Schnee, Tauwetter und Regen können den Rundgang jeweils verändern. Eine weiße Gartenlandschaft ist kein Versprechen für den ganzen Monat.

Vor dem Besuch schauen die beiden deshalb auf die örtliche Vorhersage und mögliche Wetterwarnungen. Bei Glätte bleibt der Rundgang kurz; größere Vorhaben bekommen einen passenden Tag.

Günnis Wetterweisheit: „Mein Gartenplan ist aus Papier. Wenn es regnet, darf er ruhig drinnen bleiben.“

Alte Bauernregel

„Der Januar muss krachen,
soll der Frühling lachen.“

Günni schaut auf den Reim.

„Und wenn er nur nieselt?“

„Dann warten wir trotzdem auf den Frühling“, sagt Frida.

Die Zeilen sind eine überlieferte Januar-Bauernregel. Wir lesen sie als Teil der Wettergeschichte und machen daraus keine Zusage für die nächste Gartensaison.

Günni nickt. Ein lachender Frühling wäre schön. Für heute genügt ihm erst einmal ein trockener Weg zum Gartenhaus.

Hundertjähriger Kalender

Eine alte Seite, ein neuer Gartenplan

Neben Günnis Notizbuch liegt der alte Wetterkalender.

„Vielleicht steht hier schon, wann wir unseren ersten Kaffee draußen trinken.“

Frida schiebt ihm den Stift hin. „Den Termin lassen wir noch offen.“

Der Hundertjährige Kalender gehört zur historischen Wetterliteratur. Für verlässliche Wetterprognosen eignet er sich nicht.

Die beiden blättern trotzdem gern darin. Zwischen alten Vorstellungen und gedruckten Wettergeschichten entsteht ein gemütlicher Gesprächsstoff.

In Günnis neuem Notizbuch steht anschließend: „Erster Kaffee auf der Gartenbank – sobald es uns dort gefällt.“

Eine genaue Uhrzeit trägt er vorsichtshalber auch noch nicht ein.

Gartenwissen

Was verrät eine Keimprobe?

Kleine Keimprobe mit jungen Keimlingen in einer Anzuchtschale am Gartenhausfenster und Samen in einer Schale daneben

Aus Günnis Saatgutkiste kommt ein älteres Tütchen zum Vorschein.

„Das müsste doch noch gehen.“

„Vielleicht“, sagt Frida. „Das Alter allein beantwortet die Frage nicht.“

Die Haltbarkeit unterscheidet sich je nach Pflanzenart. Auch die Lagerung spielt eine Rolle. Eine Keimprobe kann Hinweise geben, ob sich älteres Saatgut noch für die Aussaat lohnt – besonders dann, wenn genügend Körner vorhanden sind.

Dafür wird eine abgezählte kleine Menge unter passenden Bedingungen probeweise ausgesät. Pflanzenart, Temperatur und erwartete Keimdauer werden berücksichtigt. Anschließend wird notiert, wie viele Samen gekeimt sind. Bei wenigen teuren Einzelkörnern lohnt es sich dagegen kaum, einen großen Teil des Vorrats für die Probe zu verbrauchen.

Fridas Hinweis: Eine Keimprobe ist eine Orientierung. Sie garantiert noch keine erfolgreiche Kultur im Garten.

Günni legt einen Zettel dazu: „Erst prüfen, dann nachbestellen.“ Darunter schreibt er etwas kleiner: „Auch wenn die neuen Tütchen hübsch aussehen.“

Winterquartiere

Hier bleibt die Gartenruhe erhalten

Günni schaut zur Laubecke hinter dem Strauch.

„Da könnten wir doch schon einmal …“

Frida hebt freundlich die Hand. „Da lassen wir erst einmal alles, wie es ist.“

Laub, Reisig und stehen gebliebene Pflanzen können Tieren Nahrung und Unterschlupf bieten. Auch in trockenen Stängeln und an Pflanzenteilen überwintern Insekten. Unsere geschützten Gartenecken werden deshalb im Januar weder durchwühlt noch vorsorglich leergeräumt.

Die beiden schauen vom Weg aus hinüber. Was darunter verborgen ist, muss heute niemand wissen.

Fridas Ruhegedanke: Ein Garten darf bewohnt sein, auch wenn wir seine Bewohner gerade nicht sehen.

Günni steckt die Hände in die Jackentaschen. „Dann ist diese Ecke auf meiner Liste schon fertig.“

Günnis Tipp

Drei Wünsche statt dreißig Vorhaben

Günni und Frida planen im gemütlichen Gartenhaus am Tisch mit Saatgut, aufgeschlagenem Notizbuch und Günnis Kaffeebecher

Auf Günnis Blatt stehen inzwischen so viele Ideen, dass der Kaffee kaum noch einen Platz auf dem Tisch findet.

Frida liest die Liste. „Welche drei sind dir besonders wichtig?“

Günni überlegt lange. Dann nimmt er ein neues Blatt.

Für deinen Januarzettel:

  • Etwas bewahren: Was hat dir im vergangenen Gartenjahr besonders gefallen?
  • Etwas ausprobieren: Welche kleine neue Idee macht dich neugierig?
  • Etwas gemeinsam erleben: Mit wem möchtest du Gartenzeit verbringen?

Günnis drei Wünsche stehen schnell fest: wieder seine Lieblingsbohnen, eine bisher unbekannte Gemüsesorte und öfter Besuch auf der Gartenbank.

„Das klingt machbar“, sagt Frida.

Günni ergänzt noch einen kleinen Kreis neben dem letzten Punkt. Dort zeichnet er einen Becher hinein.

„Ein neues Gartenjahr darf mit einer kleinen Idee anfangen.“ Euer Günni

Fridas Gartenküche

Wintergemüse macht es gemütlich

Dampfende cremige Porreesuppe in einer rustikalen Schale auf einem Holztisch mit Blick in den winterlichen Garten

Nach dem Rundgang zieht Günni die Handschuhe aus.

„Jetzt könnte etwas Warmes kommen.“

Frida hat schon ein paar Ideen: ein herzhafter Grünkohleintopf, Ofengemüse mit gelagerten Möhren und Pastinaken oder eine cremige Porreesuppe.

Was auf den Tisch kommt, richtet sich nach dem eigenen Vorrat und dem saisonalen Angebot. Manchmal entsteht das beste Winteressen beim Blick in die Gemüsekiste.

Die vollständigen Rezepte bekommen ihren eigenen Platz in Fridas Gartenküche. Hier sammeln wir zunächst die Anregungen.

Fridas Gartenküche entdecken

Günnis eigene Gartenregel

„Liegt im Januar der Garten still,
träumt Günni schon, was wachsen will.“

Günni liest den Reim vor und schaut zufrieden zum Fenster.

Draußen bewegt sich ein kahler Zweig. Drinnen liegt das Saatgutkästchen neben seinem Notizbuch. Noch ist nichts ausgesät – aber die Vorfreude hat längst angefangen.

Von Günni frei erfunden – mit einem Augenzwinkern.

Fridas Quellenregal

Die Hinweise zu Gartenplanung, Saatgut, Anzucht, Winterernte und Kübelpflanzenschutz stützen sich auf Veröffentlichungen der Bayerischen Gartenakademie und der LWG. Für Vogelfütterung und Winterquartiere wurden NABU-Quellen verwendet. Die Bauernregel stammt aus der Januar-Sammlung von wetter.de; die Einordnung des Hundertjährigen Kalenders aus dem Spektrum-Lexikon.

Recherche und Prüfung: 6. Oktober 2026.
Pflanzenart, Sorte, Standort, Region und aktuelles Wetter bleiben für die Umsetzung entscheidend.

Quellen und weiterführendes Wissen