Günnis Gartengeschichten

Günni und der geheimnisvolle Gartenbesucher

Eine Geschichte über rätselhafte Spuren, neugierige Fragen und ein kleines Winterquartier.

Ein Morgen voller Rätsel

Eigentlich wollte Günni an diesem Morgen nur eine kleine Runde durch seinen Garten drehen.

Die Luft war noch angenehm mild, die ersten Herbstblätter lagen zwischen den Beeten, und irgendwo hinter dem Apfelbaum zwitscherte ein Vogel. Günni hatte seinen Kaffeebecher in der Hand und freute sich auf einen ganz gewöhnlichen Gartenmorgen.

Doch dann blieb er plötzlich stehen.

Mitten durch die frisch gelockerte Erde seines Beetes führte eine Reihe kleiner Fußabdrücke.

Günni stellte seinen Becher ab, rückte die Brille zurecht und ging in die Hocke.

„Na, wer war denn hier unterwegs?“

Die Spuren waren klein. Viel kleiner als die seiner eigenen Stiefel. Aber deutlich genug, dass Günni sofort wusste: Hier hatte jemand einen nächtlichen Spaziergang unternommen.

Er betrachtete die Abdrücke von links, dann von rechts und schließlich noch einmal ganz aus der Nähe.

„Also eine Katze war das bestimmt nicht“, murmelte er.

In diesem Augenblick tauchte die orange Katze zwischen den Kräutern auf, setzte sich neben ihn und begann, sich ausgiebig eine Pfote zu putzen.

Günni sah sie prüfend an. „Oder etwa doch?“

Die Katze putzte weiter. Das war natürlich keine besonders hilfreiche Antwort.

Günni hockt mit einem Buch über Tierspuren an einem Beet mit kleinen Fußabdrücken.
Günni sucht mit seinem Tierspurenbuch nach einer Erklärung für die Abdrücke im Beet.

Die Entdeckung

Ein Fall für Günnis Gartenbibliothek

Wenig später saß Günni mit einem dicken Buch neben seinem Beet. Auf dem Einband stand: Tierspuren im Garten.

Er blätterte vor, blätterte zurück und verglich die Zeichnungen mit den Abdrücken im Boden.

„Marder? Hmmm ...“ Er schüttelte den Kopf. „Fuchs? Dafür sind sie doch viel zu klein.“

Wieder eine Seite. „Dachs? Nein, nein. So große Füße waren hier nun wirklich nicht unterwegs.“

Die Katze hatte sich inzwischen in die Sonne gelegt und beobachtete ihn mit halb geschlossenen Augen.

Günni seufzte. „Weißt du, manchmal habe ich das Gefühl, dass dieses Buch mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet.“

Eine halbe Stunde später war er ungefähr genauso schlau wie vorher. Er kratzte sich unter seiner roten Mütze am Kopf.

Also irgendwo MUSS dieses Vieh doch hier drinstehen!

Schließlich klappte er das Buch zu. Morgen würde er Frida fragen. Die kannte sich mit solchen Dingen schließlich aus.

Und wenn sie es nicht wusste, dann wusste wahrscheinlich überhaupt niemand, was nachts durch Günnis Beete spazierte.

Günni und Frida untersuchen die Spuren im Garten, die orange Katze sitzt daneben.
Frida erkennt die Spuren, während Günni und die orange Katze aufmerksam zuschauen.

Am nächsten Morgen

Frida und die geheimnisvollen Abdrücke

Am nächsten Morgen stand Frida neben Günni im Garten. Günni hatte ihr bereits ausführlich erklärt, welche Tiere er alles in Verdacht hatte.

„Also“, begann er und zählte an den Fingern ab, „ein Dachs könnte es gewesen sein. Oder ein Marder. Vielleicht auch ein kleiner Fuchs!“

Frida lächelte. „Und was sagt dein Buch?“

Günni verzog das Gesicht. „Dass es ziemlich viele Tiere mit Füßen gibt.“

Frida musste lachen. Sie kniete sich neben das Beet und betrachtete die Abdrücke. Dann zeigte sie auf eine der Spuren.

„Günni, das war ein Igel.“

Günni blinzelte. Er sah auf die Erde. Dann auf sein Buch. Und wieder auf die Erde.

Ein IGEL? Der stand da bestimmt auf der nächsten Seite!

Die orange Katze saß neben ihnen und schaute so unschuldig drein, als hätte sie die ganze Angelegenheit längst durchschaut.

Frida strich vorsichtig etwas Erde neben den Abdrücken glatt. „Igel sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Vermutlich hat dieser hier nach etwas Fressbarem gesucht.“

Günni schaute plötzlich ganz nachdenklich. „Und meinst du, der kommt wieder?“

„Wenn er in deinem Garten genug Nahrung und gute Verstecke findet, ist das durchaus möglich.“

Günni schaute in Richtung seiner Hecke. Ein Igel. In seinem Garten! Auf einmal erschien ihm der kleine nächtliche Besucher viel interessanter als jedes Tier in seinem Buch.

Günni und Frida sitzen an einem Gartentisch und betrachten einen Fragenzettel über Igel.
Aus einem kurzen Besuch bei Frida wird eine lange Fragestunde über den Igel.

Ein paar Kleinigkeiten

Günnis Liste mit den vielen Fragen

Einige Tage später saß Günni bei Frida am Gartentisch. Eigentlich war er nur vorbeigekommen, um sich das Rezept für ihren gedeckten Apfelkuchen abzuholen.

Der Apfelkuchen war inzwischen längst besprochen. Aber Günni rutschte immer noch auf seinem Stuhl herum.

Frida bemerkte es natürlich. „Günni, du möchtest doch noch etwas wissen, oder?“

Er grinste verlegen. „Naja ... ein paar Kleinigkeiten.“ Dann zog er einen zusammengefalteten Zettel aus seiner Jackentasche.

Frida betrachtete das Blatt. „Eine Frage?“

Günni legte es auf den Tisch. „Ein paar.“

Frida faltete es auseinander. Der Zettel wurde länger. Und länger. Und noch ein Stück länger.

„Ach, Günni!“ Ganz oben stand in großen Buchstaben: Fragen zum Igel.

Was frisst ein Igel eigentlich? Wo schläft er? Was macht er im Winter? Braucht er unsere Hilfe? Und wie kann man den Garten so gestalten, dass sich ein Igel darin wohlfühlt?

Frida nahm ihre Brille zurecht. „Na, dann haben wir ja heute noch einiges vor.“

Günni griff zufrieden nach seinem Kaffeebecher. „Ich habe mir gedacht, wenn ich schon einen Igel im Garten habe, möchte ich auch etwas über ihn wissen.“

Frida nickte. „Das ist ein guter Anfang. Aber das Wichtigste ist, dass wir ihm nicht aus lauter Begeisterung zu nahe kommen.“

Günni hob die Augenbrauen. „Du meinst, ich soll ihn nicht gleich zum Kaffee einladen?“

„Ganz genau.“

„Schade. Ich hätte sogar noch Apfelkuchen gehabt.“

Frida musste lachen. „Den essen wir lieber selbst.“

Frida und Günni betrachten unter Sträuchern Laub, Zweige und Reisig in einer naturnahen Gartenecke.
Frida zeigt Günni, warum eine ruhige Gartenecke mit Laub und Reisig wertvoll sein kann.

Ein anderer Blick auf den Garten

Warum eine wilde Ecke manchmal die schönste ist

Am nächsten Tag nahm Frida Günni mit in eine etwas verwilderte Ecke ihres Gartens. Zwischen Sträuchern lagen trockene Blätter, einige Zweige und ein kleiner Haufen Reisig.

Günni schaute sich um. „Frida ... ich will ja nichts sagen. Aber hier müsstest du auch mal wieder aufräumen.“

Frida lächelte. „Wieso? Hier ist doch alles in Ordnung.“

Günni betrachtete die Blätter. „Also bei mir würde das als liegen gebliebene Gartenarbeit durchgehen.“

„Und genau das ist manchmal das Beste, was du für einen Igel tun kannst.“

Günni schaute überrascht. Frida zeigte unter die Sträucher.

„Igel brauchen geschützte Stellen, an denen sie sich tagsüber zurückziehen können. Laub, Reisig, dichtes Grün – all das kann ihnen helfen.“

Sie erklärte ihm, dass Igel außerdem kleine Durchgänge zwischen Gärten benötigen, damit sie auf Nahrungssuche nicht vor jedem Zaun stehen bleiben. Auch eine flache Wasserschale konnte hilfreich sein.

„Und was ist mit dem Winterschlaf?“, fragte Günni.

„Dafür suchen sie sich einen möglichst trockenen, ruhigen und gut geschützten Platz.“

Günni schaute lange auf den Laubhaufen. Dann auf die Sträucher. Und schließlich auf eine kleine geschützte Stelle hinter der Hecke.

„Weißt du, Frida ...“

Frida sah ihn von der Seite an. Diesen Tonfall kannte sie bereits. „Ja, Günni?“

„So ein sicherer Platz zum Schlafen wäre doch eigentlich eine gute Sache.“

Frida lächelte. „Das wäre er.“

Günni nickte langsam. Und irgendwo in seinem Kopf begann eine neue Idee zu wachsen.

Günni unterhält sich an Horsts Werkbank mit Horst, der einen Zollstock hält.
Günni hat eine Idee und Horst ahnt bereits, was das für seine Werkstatt bedeutet.

Die nächste Idee

Wenn Günni eine Idee hat ...

Am nächsten Morgen stand Günni vor Horsts Werkstatt. Horst war gerade damit beschäftigt, ein paar Holzreste zu sortieren.

„Horst!“

Horst blickte auf. „Günni. Was gibt’s denn?“

„Ich hätte da eine Idee.“

Horst legte ganz langsam seinen Zollstock auf die Werkbank. „Aha.“

Günni bemerkte den skeptischen Blick. „Du weißt ja, Frida und ich haben über den Igel gesprochen ...“

„Und?“

„Na ja, er braucht doch einen geschützten Platz. Trocken soll er sein. Und ruhig. Und möglichst gemütlich.“

Horst verschränkte die Arme. „Günni ...“

„Und da habe ich mir gedacht ...“

Horst seufzte. „Natürlich hast du dir etwas gedacht.“

Günni grinste. „Wir könnten ihm doch ein kleines Haus bauen!“

Horst betrachtete ihn eine Weile. „Wir?“

Also ... du baust. Und ich helfe!

„Aha. So hatte ich mir das fast gedacht.“

Doch Horst musste ebenfalls grinsen. Er nahm ein Stück Papier und seinen Zollstock.

„Na gut. Dann überlegen wir uns erst einmal, was so ein Igelhaus tatsächlich braucht.“

Und damit begann das nächste kleine Bauprojekt in Horsts Werkstatt.

Günni und Horst betrachten in der Werkstatt eine Zeichnung für das Igelhaus.
Nach seiner Reise bespricht Günni mit Horst den Plan für das Igelhaus.

Nach der Reise

Ein Bauplan und eine kleine Reise

Einige Tage später hatte Günni endlich wieder Zeit, bei Horst vorbeizuschauen. Seine Reise nach Kassel war vorbei, und kaum hatte er seinen Koffer ausgepackt, führte ihn sein Weg schon wieder in die Werkstatt.

Horst schaute auf die Zeichnung, die Günni mitgebracht hatte. Dann auf Günni. Dann wieder auf die Zeichnung.

„Du warst fünf Tage in Kassel, und DAS ist das Erste, womit du wieder hier auftauchst?“

Günni grinste. „Ich hatte im Zug viel Zeit zum Nachdenken.“

„Offenbar.“

Auf dem Papier war inzwischen ein richtiges Igelhaus zu erkennen. Mit einem geschützten Eingang, einer Trennwand und einem Dach, das den Regen fernhalten sollte.

Horst betrachtete den Plan aufmerksam.

„Wir müssen darauf achten, dass es trocken bleibt. Und dass der Schlafraum nicht direkt hinter der Eingangsöffnung liegt.“

Günni nickte eifrig. „Und gemütlich!“

Horst hob den Finger. „Das überlassen wir dem Igel.“

Dann griff er nach seinem Bleistift. „Jetzt schauen wir erst einmal, wie wir das ordentlich bauen.“

Günni lächelte zufrieden. Er wusste, dass sein Igelhaus bei Horst in guten Händen war.

Horst und Günni halten das fertige Igelhaus in der Werkstatt, die orange Katze schaut zu.
Horst präsentiert das fertige Igelhaus. Der richtige Platz im Garten fehlt allerdings noch.

Geschafft!

Ein kleines Haus mit großer Wirkung

Wenig später stand Günni wieder in der Werkstatt. Und diesmal blieb ihm beinahe die Sprache weg.

Auf Horsts Werkbank stand ein fertiges Igelhaus. Aus Holz, mit wettergeschütztem Dach und einem Eingang, hinter dem sich ein geschützter Schlafraum befand.

„Donnerwetter, Horst!“

Günni ging um die Werkbank herum und betrachtete das Haus von allen Seiten.

„Du hast ja richtig Gas gegeben!“

Horst grinste. „Du hast gesagt, der Igel braucht ein Winterquartier. Du hast nicht gesagt, dass ich mir bis Weihnachten Zeit lassen soll.“

Günni strich vorsichtig über das Holz. „Das ist wirklich schön geworden.“

„Vor allem ist es ordentlich gebaut“, antwortete Horst.

Er erklärte Günni noch einmal, weshalb der Eingang nicht direkt in den Schlafraum führte und warum das Dach später zur Reinigung abgenommen werden konnte.

Die orange Katze hatte sich inzwischen ebenfalls eingefunden. Sie saß neben der Werkbank und betrachtete das neue Haus mit großem Interesse.

„Meinst du, es gefällt ihm?“, fragte Günni.

Horst zuckte mit den Schultern. „Das muss der Igel selbst entscheiden.“

Günni nickte. Dann strahlte er. „Na, dann können wir es ja gleich aufstellen!“

Horst hob eine Augenbraue. „Nicht so schnell. Erst brauchen wir den richtigen Platz.“

Günni dachte einen Moment nach. Dann grinste er. „Frida?“

Horst lachte. „Genau.“

Für alle, die selbst bauen möchten

Horsts Igelhaus zum Nachbauen

Wer selbst ein solches Winterquartier bauen möchte, findet die vollständige Anleitung mit Bauplan in unserem Beitrag in Horsts Werkstatt.

Günni und Frida richten das Igelhaus mit trockenem Laub in einer geschützten Gartenecke ein.
Günni und Frida haben einen ruhigen, geschützten Platz für das Winterquartier gefunden.

Der richtige Ort

Frida weiß, wo ein Igel gut schläft

Am nächsten Morgen trugen Günni und Frida das Igelhaus in eine geschützte Ecke des Gartens.

Günni hätte es am liebsten gleich neben seinem Lieblingssitzplatz aufgestellt.

„Da könnte ich jeden Morgen nachsehen, ob jemand eingezogen ist!“

Frida schüttelte den Kopf. „Genau deshalb stellen wir es dort nicht hin.“

Günni schaute sie überrascht an. „Wieso denn?“

„Ein Igel braucht Ruhe. Und wenn er sein Winterquartier gefunden hat, darfst du ihn nicht ständig stören.“

Gemeinsam suchten sie einen geeigneten Platz unter dichten Sträuchern, etwas abseits der häufig benutzten Gartenwege.

Der Boden war möglichst trocken, die Umgebung bot Deckung, und der Eingang lag geschützt.

Günni stellte das Haus vorsichtig auf die vorbereitete Stelle. Frida kontrollierte noch einmal, ob es stabil stand.

Dann nahm sie etwas trockenes Herbstlaub zur Hand.

„Ein wenig davon können wir locker hineinlegen. Den Rest darf der Igel selbst machen.“

Günni sah auf das Haus. Dann auf das Laub. Und wieder auf Frida.

Ich merke schon ... der kleine Kerl bekommt hier langsam mehr Ausstattung als ich.

Frida musste lachen. Gemeinsam verteilten sie noch etwas Laub in der Umgebung. Dann traten sie ein paar Schritte zurück.

Das kleine Holzhaus stand nun geschützt zwischen Sträuchern und herbstlichen Blättern. Alles war vorbereitet.

Ein leiser Ausklang

Ein stiller Gast darf kommen

Am Abend ging Günni noch einmal durch seinen Garten. Die Sonne stand bereits tief, und die ersten kühlen Herbstabende kündigten sich an.

Vor der geschützten Ecke blieb er stehen. Das Igelhaus war zwischen den Sträuchern kaum zu erkennen.

Günni lächelte.

Er dachte an die geheimnisvollen Spuren im Beet. An sein dickes Tierbuch. An Frida, die auf einen Blick gewusst hatte, wer ihn nachts besucht hatte.

Und an Horst, der aus seiner Idee ein richtiges kleines Winterquartier gebaut hatte.

Wer hätte gedacht, dass ein paar Fußspuren so viel in Bewegung setzen konnten?

Die orange Katze kam über den Gartenweg geschlendert und setzte sich neben ihn.

„Na“, sagte Günni leise, „jetzt müssen wir nur noch warten.“

Die Katze blinzelte.

Vielleicht war der Igel längst wieder irgendwo im Garten unterwegs.

Vielleicht fand er irgendwann das kleine Haus. Vielleicht hatte er aber auch schon längst einen anderen guten Schlafplatz entdeckt.

Günni wusste es nicht. Und diesmal störte ihn das überhaupt nicht.

Denn eines hatte Frida ihm beigebracht:

Manchmal hilft man den kleinen Gartenbewohnern am meisten, indem man ihnen einen guten Platz schafft – und sie dann einfach in Ruhe lässt.

Günni nahm seinen Kaffeebecher und machte sich auf den Weg zurück zur Laube.

Hinter ihm raschelte leise das Herbstlaub. Er blieb kurz stehen. Drehte sich um. Lauschte. Dann lächelte er.

Na, wer weiß ... vielleicht schaut heute Nacht ja jemand vorbei.

Und damit ließ er den Garten für diesen Abend ganz in Ruhe.