Horsts Werkstatt
Horst baut ein Igelhaus – Ein geschütztes Winterquartier
Ein stacheliger Gartenbesucher, eine Zeichnung in Günnis Hand und Horst, der aus einer guten Idee ein richtiges Winterquartier macht.
Ein Winterquartier für den kleinen Gartenbesucher
Eigentlich wollte Günni an diesem Herbstmorgen nur kurz bei Horst vorbeischauen. Doch seit einiger Zeit war ein kleiner Igel in seinem Garten unterwegs – und mit den kühleren Nächten kam Günni ins Grübeln: Wo würde der stachelige Gast wohl den Winter verbringen?
Also schnappte er sich seine Zeichnung und machte sich auf den Weg in die Werkstatt.
Denn wenn jemand aus einer Idee ein ordentliches Igelhaus bauen konnte, dann war es Horst.

„Horst, ich hätte da wieder eine Idee!“
Horst stand an seiner Werkbank, als Günni mit einem Blatt Papier hereinkam.
„Horst, ich brauche ein Haus!“
„Für dich? Deine Gartenlaube steht doch noch.“
„Nein, für meinen Igel!“
Horst betrachtete die Zeichnung, rückte seine Mütze zurecht und griff nach dem Zollstock.
„Bei einem Igelhaus kommt es nicht darauf an, dass es besonders hübsch aussieht. Es muss trocken bleiben, Schutz bieten und einen sicheren Schlafplatz haben.“
„Und gemütlich soll es sein!“, ergänzte Günni.
„Das überlassen wir später dem Igel“, sagte Horst. „Wir kümmern uns erst einmal darum, dass die Konstruktion stimmt.“
Das richtige Holz für ein sicheres Winterquartier
Horst verwendet 20 Millimeter starkes, unbehandeltes Holz. Es soll trocken, stabil und für einen geschützten Standort im Garten geeignet sein. Chemische Holzschutzmittel bleiben außen vor.
Das wichtigste Konstruktionsmerkmal ist eine versetzte Trennwand: Von der äußeren Öffnung führt kein direkter Weg in den Schlafraum. Ein abnehmbares Dach ermöglicht eine spätere Reinigung, wenn das Haus sicher unbewohnt ist.
Ein fest eingebauter Boden ist bei dieser Bauweise nicht vorgesehen. Stattdessen wird das Haus auf einen gut vorbereiteten, trockenen Untergrund gestellt.
Horsts Tipp: „Ein Igel braucht keine Luxusvilla mit Terrasse und Blumenkasten. Trocken, ruhig und geschützt – darauf kommt es an.“
Material und Werkzeug
Material
- Unbehandeltes Holz, 20 mm stark, gemäß Zuschnittliste
- Geeignete Holzschrauben für die Wandmontage
- Zwei Holzleisten für die Dachunterseite, 430 × 20 × 20 mm
- Dachpappe, 560 × 380 mm, und geeignete Befestigung
Werkzeug
- Zollstock oder Maßband, Winkel und Bleistift
- Stichsäge oder geeignete Handsäge
- Akkuschrauber, passender Holzbohrer und Schraubendreher
- Hammer und Schleifpapier (Körnung 80–150)
- Schraubzwingen zum sicheren Einspannen der Werkstücke
Sicher arbeiten: Werkstücke fixieren, Schutzbrille tragen und bei Sägen und Bohren die Gerätehinweise beachten.
Die vollständige Zuschnittliste
Horst zeichnet die Teile sorgfältig an – und misst lieber zweimal. Die folgenden Angaben stammen aus unserem Bauplan V2.0:
- 1 Vorderwand: 440 × 260 × 20 mm
- 1 Rückwand: 440 × 240 × 20 mm
- 2 Seitenwände: 300 mm tief, vorne 260 mm und hinten 240 mm hoch
- 1 Trennwand: 260 × 215 × 20 mm
- 1 Dach: 560 × 380 × 20 mm
- 2 Dachleisten: jeweils 430 × 20 × 20 mm
Vorderwand und Trennwand erhalten jeweils eine Öffnung von mindestens 100 × 100 mm. Die Durchgänge müssen versetzt liegen, damit der Schlafraum hinter der Trennwand geschützt bleibt.
Horsts Tipp: „Bevor du zur Säge greifst, schau dir die Anordnung der Trennwand im Bauplan an. Der versetzte Zugang ist das Wichtigste an der ganzen Kiste.“
Horsts Bauplan zum Ausdrucken
Damit in der Werkstatt nichts zwischen Zollstock, Werkbank und Sägespänen verloren geht, steht der vollständige sechsseitige Bauplan V2.0 als PDF bereit.
Er enthält Zuschnittmaße, Skizzen, Montageschritte, den Aufbau des abnehmbaren Dachs sowie Hinweise zu Standort, Befüllung und Reinigung.
Wichtig: Zum tatsächlichen Zuschnitt und zur Positionierung der Durchgänge bitte die bemaßten Zeichnungen des PDFs verwenden – die Fotos zeigen unsere Werkstattgeschichte.
Schritt für Schritt zum fertigen Igelhaus
- Holzteile zuschneiden: Die sechs Gehäuseteile einschließlich Trennwand und Dach zusägen. Die Seitenwände verlaufen von 260 mm Höhe vorn auf 240 mm hinten.
- Durchgänge herstellen: Öffnungen von mindestens 100 × 100 mm in Vorderwand und Trennwand sägen. Sämtliche Schnittkanten sorgfältig abrunden.
- Rückwand und Seiten verbinden: Schraublöcher vorbohren und die Seitenwände an der Rückwand befestigen. Die höhere Kante zeigt nach vorn.
- Vorderwand montieren: Die Vorderwand verschrauben; das Dachgefälle bleibt von vorn nach hinten erhalten.
- Trennwand einsetzen: Die Trennwand neben dem Fronteingang so montieren, dass ihr Durchschlupf versetzt auf der hinteren Seite liegt und den Schlafraum abschirmt. Die exakte Lage zeigt die Bauplanskizze.
- Dach vorbereiten: Die beiden Leisten unter der Dachplatte befestigen und die Dachpappe als Regenschutz aufbringen.
- Dach auflegen: Das Dach bleibt abnehmbar; die Leisten verhindern seitliches Verrutschen. Bei der Aufstellung kann ein ausreichend schwerer Stein das Dach zusätzlich sichern.
- Alles kontrollieren: Keine hervorstehenden Schraubenspitzen, scharfen Kanten oder losen Teile. Das Dach soll sicher aufliegen und später abnehmbar bleiben.
Horsts Tipp: „Die Trennwand ist kein überflüssiges Brett. Sie macht aus einer einfachen Holzkiste erst einen geschützten Schlafplatz.“

Ein Blick ins Innere
Horst hebt den Deckel ab und zeigt Günni die Trennwand. Hinter ihr liegt der eigentliche Schlafraum – etwas abseits vom Eingang und damit besser vor Zugluft und unmittelbarem Zugriff geschützt.
Das Dach darf später nur geöffnet werden, wenn sicher kein Igel darin ruht. Ein bewohntes Quartier bleibt unangetastet.
„Aha“, sagt Günni. „Also ein Eingang mit Umweg!“
„Genau“, schmunzelt Horst. „Nicht jeder Besucher soll direkt bis ins Schlafzimmer durchmarschieren.“
Der richtige Platz im Garten
Ein ordentlich gebautes Igelhaus ist nur die halbe Arbeit. Ideal ist eine ruhige, schattige und trockene Gartenecke, beispielsweise unter Hecken oder Sträuchern.
Bei feuchtem Boden kann eine Sand-Kies-Drainage helfen. Flache Steine oder Bretter als Unterlage halten das bodenlose Haus von dauerhafter Nässe fern. Der Zugang bleibt frei und zeigt möglichst zur wetterabgewandten Seite.
Den Schlafraum locker mit trockenem Laub auslegen; zusätzlich dürfen Laub und Reisig rund um das Haus liegen. Ist es bezogen, gilt vor allem eins: nicht stören.
Horsts Tipp: „Der schönste Platz ist nicht immer der beste. Für den Igel zählt vor allem, dass er dort seine Ruhe hat.“
Den richtigen Platz suchen Günni und Frida später gemeinsam aus – aber das gehört zu ihrer eigenen Gartengeschichte.

„So, Günni. Dein Igel kann einziehen!“
Als die letzte Schraube kontrolliert war, stellte Horst das fertige Haus auf die Werkbank. Günni betrachtete es von allen Seiten.
„Horst, das ist ja richtig schön geworden!“
„Vor allem ist es ordentlich gebaut.“
Auch die orange Katze war inzwischen neugierig geworden und schaute von der Werkbank aus zu.
„Meinst du, der Igel freut sich darüber?“, fragte Günni.
Horst lächelte. „Wenn er es annimmt, haben wir alles richtig gemacht. Ob und wann er einzieht, entscheidet aber der Igel selbst.“
Günni nickte, hob seinen Becher und betrachtete noch einmal den Eingang.
„Dann fehlt jetzt nur noch der richtige Platz!“
Und so begann für Günni und Frida die nächste Aufgabe im herbstlichen Garten.
Wenn der Igel eingezogen ist
Ein bewohntes Igelhaus ist ein Rückzugsort, keine Beobachtungsbox. Deshalb nicht öffnen, umstellen oder unnötig kontrollieren – besonders nicht während des Winterschlafs.
Erst wenn das Quartier nach dem Winter sicher verlassen ist, kann man es mit heißem Wasser und Bürste reinigen. Handschuhe tragen, auf chemische Reinigungsmittel verzichten und das Haus anschließend gut trocknen lassen.
Und noch etwas: Ein Igelhaus allein macht einen Garten nicht igelfreundlich. Laub- und Reisighaufen, Totholz, dichte Hecken und durchlässige Gartengrenzen helfen den Tieren mindestens ebenso sehr.
Fachliche Orientierung: BUND Naturschutz in Bayern, „Igelhaus bauen“ und Bauplan 2024; Details und Quellen im PDF-Bauplan V2.0.