Fridas Gartenküche

Anis

Süßlich · würzig · lakritzartig

Mit seinen feinen weißen Dolden wirkt Anis im Garten beinahe zurückhaltend. Doch in seinen kleinen Früchten steckt ein unverwechselbares Aroma, das Brot, Gebäck, Getränke und sogar herzhafte Gerichte prägen kann.

Fridas Steckbrief

Botanischer Name
Pimpinella anisum L.
Pflanzenfamilie
Doldenblütler · Apiaceae
Lebensdauer
einjährig
Wuchshöhe
meist etwa 50–70 cm
Blüte
kleine weiße Blüten in Doppeldolden, gewöhnlich im Sommer
Verwendeter Teil
getrocknete, reife Früchte – umgangssprachlich „Anissamen“
Aroma
süßlich, warm, würzig und deutlich lakritzartig
Besonderheit
Anis benötigt einen warmen Sommer; die Früchte reifen nicht alle gleichzeitig
Anispflanze mit ihren charakteristischen weißen Doppeldolden

Was wir im Alltag „Anissamen“ nennen, sind botanisch die getrockneten Früchte.

Herkunft & Geschichte

Die genaue Wildherkunft des Kultur-Anis lässt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen. Als wahrscheinliche Ursprungsregion gilt der östliche Mittelmeerraum beziehungsweise Vorderasien. Sicher ist: Anis wurde bereits in Ägypten, Griechenland und im Römischen Reich kultiviert.

Seine kleinen aromatischen Früchte wurden über Jahrhunderte als Gewürz und in der traditionellen Pflanzenkunde verwendet. Heute begegnet uns Anis vor allem in Brot und Gebäck, Kräutertees, Süßwaren und Spirituosen wie Ouzo, Raki oder Pastis.

Vom Beet bis zur Ernte

Anis im eigenen Garten

Anis liebt Wärme, Sonne und einen geschützten Platz. Gerade in Norddeutschland lohnt es sich, ihm die wärmste verfügbare Gartenecke zu geben.

Anispflanze an einem sonnigen Standort

Standort

Sonnig, warm und möglichst geschützt. Ideal ist ein humoser, lockerer und gut durchlässiger Boden. Staunässe und stark verdichtete Erde verträgt Anis nicht gut.

Aussaat von Anis im vorbereiteten Gartenboden

Aussaat

Die Direktsaat erfolgt im Frühjahr, sobald der Boden ausreichend erwärmt und gut bearbeitbar ist. Etwa 1–1,5 cm tief säen. Weil Anis anfangs langsam aufläuft, die Saatreihe markieren und frei von Unkraut halten.

Junge Anispflanzen bei der Pflege im Beet

Pflege

Während Keimung und früher Entwicklung die Erde gleichmäßig leicht feucht halten, später mäßig gießen. Vorsichtiges Jäten ist wichtig; starke Stickstoffdüngung ist nicht nötig.

Weiße Doppeldolden einer blühenden Anispflanze

Blüte

Im Sommer erscheinen die filigranen weißen Doppeldolden. Die einzelnen Dolden entwickeln und reifen nicht vollkommen gleichzeitig – deshalb lohnt später ein genauer Blick auf den Reifezustand.

Reife Anisdolden bei der Ernte

Ernte

Ernten, wenn die Hauptdolden gelblich bis bräunlich werden und die Früchte ausgereift sind. Dolden portionsweise abschneiden und kopfüber luftig und trocken nachreifen lassen.

Getrocknete Anisfrüchte zur aromageschützten Aufbewahrung

Duft bewahren

Aroma, Qualität & Aufbewahrung

Das typische Anisaroma wird vor allem durch das ätherische Öl und dessen Hauptbestandteil trans-Anethol geprägt. Es sorgt für den süßlichen, warmen und lakritzartigen Duft.

  • Beim Zerreiben deutlich aromatischer Duft
  • Trockene, saubere Früchte
  • Grünlich-graue bis bräunliche Färbung
  • Keine Feuchtigkeit, kein muffiger Geruch und kein sichtbarer Schimmel

Anis am besten ganz, trocken, kühl, dunkel und luftdicht lagern. Erst unmittelbar vor der Verwendung leicht anstoßen oder mahlen – so bleiben die flüchtigen Aromastoffe länger erhalten.

Süß, herzhaft, überraschend vielseitig

Anis in Fridas Küche

Gebäck mit Anis

Brot & Gebäck

Klassisch in Brot, Brötchen, Plätzchen, Springerle und winterlichem Früchtebrot. Besonders schön mit Fenchel, Kümmel, Koriander, Zimt und Zitrusschalen.

Heißgetränk mit Anis

Getränke

Die Früchte aromatisieren Kräutertees, Sirupe und winterliche Heißgetränke. Auch bekannte Spirituosen verdanken Anethol einen Teil ihres charakteristischen Aromas.

Herzhaftes Gericht mit Anis als Gewürz

Herzhaftes

Sparsam dosiert passt Anis zu Möhren, Kürbis, Rotkohl, Hülsenfrüchten sowie orientalisch oder mediterran gewürzten Gerichten. Er soll begleiten – nicht alles andere überdecken.

Früchte mit Anis als aromatischer Begleiter

Fruchtiges

Besonders schön zu Apfel, Birne, Pflaume, Feige, Orange und Trockenfrüchten. Schon wenig Anis gibt Kompott, Fruchtaufstrich oder pochierten Früchten eine warme Würze.

Schon gewusst?

Anis ist kein Sternanis

Obwohl beide ähnlich duften, sind Anis und Sternanis botanisch nicht eng miteinander verwandt. Die Ähnlichkeit entsteht vor allem durch Anethol, das in beiden Gewürzen für das typische süßlich-lakritzartige Aroma verantwortlich ist.

AnisPimpinella anisumDoldenblütlereinjährige krautige Pflanzekleine gerippte Früchte
SternanisIllicium verumSternanisgewächseimmergrüner Baumsternförmige Sammelfrucht

Sternanis schmeckt meist kräftiger und sollte entsprechend vorsichtiger dosiert werden.

Anisfrüchte und Sternanis im direkten Vergleich

Traditionelle Pflanzenkunde

Traditionelle Verwendung

Anisfrüchte werden traditionell bei leichten krampfartigen Verdauungsbeschwerden mit Blähungen sowie als schleimlösendes Mittel bei erkältungsbedingtem Husten verwendet. Diese Einordnung beschreibt eine traditionelle pflanzliche Verwendung auf Grundlage langjähriger Nutzung – kein allgemeines Heilversprechen.

Gut zu wissen

Diese Angaben ersetzen keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Ätherisches Anisöl ist hoch konzentriert und nicht mit der normalen Verwendung des Gewürzes in der Küche gleichzusetzen.

Anisfrüchte werden kurz vor der Verwendung im Mörser angestoßen

Fridas Tipp

Erst kurz vor der Verwendung anstoßen

Stoße ganze Anisfrüchte erst unmittelbar vor dem Kochen oder Backen leicht im Mörser an. So werden die aromatischen Öle freigesetzt, ohne dass sie schon während einer langen Lagerung verfliegen.

Für Tees oder Sirup reicht meist ein grobes Andrücken – feines Mahlen ist nicht nötig.